Sechs Tipps für bessere Messerfotos mit dem Smartphone

Wenn Sie erst einmal herausfinden möchten, ob die Messerfotografie etwas für Sie ist, können Sie selbstverständlich zunächst die Kamera Ihres Smartphones nutzen. Um optimale Resultate zu erzielen, sollten Sie die folgenden Tipps beherzigen.

1. Mehr Licht!

Aber bitte nicht irgendein Licht! Punktartige Lichtquellen erzeugen auf dem Messer scharf umrissene Reflexe, die alles überstrahlen. Deshalb sind direktes Sonnenlicht und der Smartphone-Blitz absolut tabu. Sorgen Sie für weiches Licht. Bauen Sie Ihr Set am besten in der Nähe eines großen Fensters auf. Da je nach Tageszeit auch Fensterlicht sehr hart sein kann, sollten Sie das Licht mithilfe eines Diffusors streuen und weicher machen. Zur Not tut’s auch ein milchiger Duschvorhang, den Sie provisorisch vor dem Fenster anbringen.

Platzieren Sie auf der dem Fenster gegenüberliegenden Seite ein weißes Stück Karton oder eine Leichtschaumplatte, um die Schatten rund um das Messer aufzuhellen. Falls nötig, können Sie das Licht noch weiter absoften, indem Sie es nicht direkt auf die Klinge fallen lassen. Lenken Sie es stattdessen über den Umweg eines weiteren Aufhellers, der direkt vor dem Messer platziert wird, auf die Klinge. Auf diese Weise können Sie auch auf Hochglanz polierte Klingen ablichten, ohne dass sich Ihre Wohnzimmereinrichtung in der Klinge spiegelt.

Meistens benutze ich eine der folgenden drei Methoden, um einen Aufheller vor der Klinge zu fixieren:

Wie Sie Aufheller samt Halterung selber basteln können, erfahren Sie hier.

2. Verwacklungsfrei fotografieren

Fotografieren Sie nicht aus der Hand, auch wenn Ihre Smartphone-Kamera über einen optischen Bildstabilisator verfügt. Verwenden Sie stets ein Stativ! Ein einfaches Reisestativ oder ein Tischstativ sind völlig ausreichend. Ein Stativ sorgt nicht nur für verwacklungsfreie Fotos, es hilft Ihnen auch dabei, die Bildkomposition optimal einzurichten. Außerdem können Sie nacheinander verschiedene Kameraeinstellungen ausprobieren, ohne die Kameraposition zu verändern.

Ein solides Einsteiger-Stativ ist das Modell C5i von Rollei, das mit einem Kugelkopf sowie einer Schnellwechselplatte ausgerüstet ist und über ein platzsparendes Packmaß von 43 Zentimetern verfügt.

Sehr beliebt ist auch das Tischstativ Pixi von Manfrotto. Allerdings sind Sie damit in Ihren Möglichkeiten arg eingeschränkt.

Im wahrsten Sinne des Wortes flexibel sind Sie mit einem der diversen Gorillapod-Modelle von Joby, die bequem an anderen Gegenständen montiert werden können.

Bitte beachten Sie, dass Sie zusätzlich zum Stativ noch eine Smartphone-Klemme mit Stativgewinde benötigen, um das Smartphone auf dem Stativkopf befestigen zu können. Ich benutze seit Jahren die Halterung von Manfrotto, die sowohl an der Unter- als auch an der Rückseite mit einem 1/4-Zoll-Gewinde ausgestattet ist.

Verwenden Sie nach Möglichkeit nicht den Auslöser-Button auf dem Smartphone-Display, denn auch minimale Erschütterungen können das Bild verwackeln. Wenn Ihre Kamera eine Steuerung über Sprachbefehle bietet, benutzen Sie diese. Oder stellen Sie zumindest eine Zeitverzögerung zwischen dem Druck auf den Button und dem Auslösen der Aufnahme ein. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung eines Bluetooth-Fernauslösers. Achten Sie beim Kauf jedoch darauf, dass die Bluetooth-Fernbedienung mit Ihrem Smartphone-Modell kompatibel ist.

3. Mit den Füßen zoomen

Verwenden Sie niemals den digitalen Zoom Ihrer Smartphone-Kamera (oder irgendeiner anderen Kamera)! Im Gegensatz zum optischen Zoom, bei dem ein Linsensystem für die Vergrößerung sorgt, wird beim Digitalzoom lediglich ein Bildausschnitt vergrößert, indem der Kameraprozessor die fehlenden Pixel errechnet oder interpoliert, wie die Fachleute sagen. Dadurch verschlechtert sich die Bildqualität. Richten Sie Ihr Set so ein, dass die Kamera sich nah genug am Messer befindet und ein Heranzoomen nicht notwendig ist.

4. Einstellungen manuell vornehmen

Als Fotograf sollten Sie immer Herr der Lage sein und selber bestimmen, was und wie Ihre Kamera aufnimmt. So zuverlässig die Automatiken moderner Kameras auch arbeiten, sie liegen nicht immer richtig. Ob und in welchem Umfang Sie jedoch Einfluss auf die Einstellungen Ihrer Smartphone-Kamera nehmen können, hängt von Ihrem Smartphone-Modell und der verwendeten Kamera-App ab. Schauen Sie in der Bedienungsanleitung Ihres Smartphones nach, welche manuellen Kontrollmöglichkeiten Ihre Kamera bietet. Da dies von Modell zu Modell und von App zu App stark variiert, kann ich hier nur den kleinsten gemeinsamen Nenner thematisieren: Im manuellen Modus – bei meinem Samsung Galadxy S7 heißt er „Pro“-Modus – sollten Sie zumindest in der Lage sein, den Fokuspunkt, die Belichtungszeit, den ISO-Wert und den Weißabgleich einzustellen.

Wie Sie auf dem nachfolgenden Screenshot der Standard-Kamera-App des S7 sehen können, wurde hier der Weißabgleich mit einer Farbtemperatur von 5500 K (Tageslicht) vorgenommen. Die Belichtungszeit betrug 1/30 Sekunde, und der ISO-Wert war auf 100 eingestellt.

5. RAW vs. JPG

Wenn Ihre Smartphone-Kamera in der Lage ist, Fotos im RAW-Format zu speichern, dann nutzen Sie dieses Dateiformat. Warum? Wenn Sie Ihre Bilder im JPG-Format speichern, werden die Daten vom kamerainternen Bildprozessor bearbeitet, der Parameter wie Kontrast, Schärfe, Helligkeit usw. anpasst. Danach werden die Daten in komprimierter Form gespeichert.

Beim RAW- oder Rohdatenformat, wie es auf Deutsch heißt, werden die Sensordaten nach der Digitalisierung ohne weitere Bearbeitung auf die Speicherkarte geschrieben. Diese unbearbeiteten Bilddaten können von sogenannten RAW-Konvertern, die in Bildbearbeitungsprogrammen wie Lightroom integriert sind, ausgelesen werden und eröffnen umfangreiche Möglichkeiten der kreativen Nachbearbeitung. Wenn Sie also Ihre Messerfotos in höchstmöglicher Qualität nachbearbeiten möchten, sollten Sie das RAW-Format wählen.

6. Saubere Linse

Reinigen Sie vor jedem Fotoshooting die Kameralinse Ihres Smartphones!

2017-10-26T12:06:04+00:00 5. September 2017|

Über den Autor:

Stefan Schmalhaus studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Münster. Er schreibt und fotografiert regelmäßig für die Zeitschrift „Messer Magazin“ und ist Autor des Buchs „Gentleman-Taschenmesser“. Darüber hinaus betreibt er seit vielen Jahren einen YouTube-Kanal rund um edle Schneidwerkzeuge.

Ein Kommentar

  1. Manucas 5. September 2017 um 8:24 Uhr- Antworten

    Sehr schöne und hilfreiche Erklärung

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