Hardware-Controller für Lightroom: Loupedeck

Hardware-Controller versprechen einen effizienteren Workflow und eine quasi-haptische Erfahrung bei der Bildbearbeitung. Während das modulare System von Palette für verschiedene Adobe-Anwendungen konfigurierbar ist, wurde die Loupedeck-Konsole ausschließlich für die Arbeit mit Lightroom konzipiert. Die Produktidee stammt von einem jungen finnischen Unternehmen, das die Entwicklung über eine sehr erfolgreiche Indiegogo-Kampagne finanziert hat.

Lieferumfang

Zum Lieferumfang gehört nur die Konsole selbst, die mit einem ca. 1,30 m langen USB-Kabel ausgerüstet ist. Die Abmessungen entsprechen ungefähr denen einer handelsüblichen Computertastatur. Da das Loupedeck via USB auch mit Strom versorgt wird, sind für den Betrieb keine Batterien oder Akkus nötig.

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme des Controllers ist kinderleicht: Nachdem man die sowohl für Mac als auch für Windows verfügbare Software heruntergeladen und installiert hat, schließt man die Konsole an einen freien USB-Port an, startet Lightroom Classic und kann sofort loslegen. Die englischen Beschriftungen auf dem Controller sollten auch Nutzern anderssprachiger Lightroom-Versionen keine großen Probleme bereiten. Die Funktionsweise der meisten Regler und Knöpfe erschließt sich intuitiv durch Ausprobieren. Die als PDF-Dokument vorliegende Bedienungsanleitung habe ich erst zu Rate gezogen, als ich die frei programmierbaren Regler mit neuen Funktionen versehen wollte.

Die Bedienelemente

Die Bedienelemente bestehen aus Tastern, Knöpfen, Drehreglern und kleinen Rollrädern. Die Anordnung der Bedienkomponenten wirkt sehr aufgeräumt. Die Abstände zwischen den Reglern sind großzügig bemessen, sodass auch Menschen mit großen Händen das Gerät mühelos bedienen können. Alle drehbaren Elemente kommen ohne Anschlag aus, sind also endlos drehbar. Ein Druck auf ein Drehelement setzt den jeweiligen Parameter auf den Ursprungswert zurück.

Die Drehregler sind leichtgängig, für meinen Geschmack sogar zu leichtgängig. Mir fehlt der sanft-elastische Widerstand, den ich von hochwertigen Potentiometern an Hi-Fi-Geräten, Mischpulten und Synthesizern kenne. Die Drehknöpfe sind darüber hinaus etwas wackelig, insbesondere der große „Rotate/Crop“-Regler, der übrigens über eine Rasterung verfügt, verhält sich sehr kippelig. Auch das taktile Feedback der rechteckigen Taster lässt zu wünschen übrig. Man muss die Taster schon exakt in der Mitte treffen, um einen Druckpunkt zu spüren. Insgesamt ist der erste haptische Eindruck enttäuschend. Mit einem Satz: Das Loupedeck fühlt sich billig an.

Die Loupedeck-Konsole im Einsatz

Hat man sich an die taktilen Eigenheiten des Geräts gewöhnt, lässt sich damit zufriedenstellend arbeiten. Das Loupedeck kann sowohl im „Bibliothek“- als auch im „Entwickeln“-Modul sinnvoll eingesetzt werden. Beim Durchforsten eines großen Bildbestandes können mithilfe der fünf Bewertungstasten sehr schnell Sterne oder auch Farben vergeben werden. Eine eigens dafür vorgesehene Taste erlaubt das schnelle Umschalten zwischen den beiden Kategorisierungssystemen. Andererseits: Wer mit den Tastaturbefehlen in Lightroom vertraut ist, kann genauso schnell arbeiten.

Die verschiedenen Parameter lassen sich präzise einstellen. Man kann die Emfpindlichkeit der Regler mithilfe der Loupedeck-Software zudem den eigenen Vorlieben anpassen. Gut gefallen hat mir die Möglichkeit, mit gedrückter „Fn“-Taste ein Bild in winzig kleinen Schritten zu rotieren. Die Koordination zwischen dem Drehen des Reglers und der Bewegung auf dem Bildschirm ist unmittelbarer, als wenn man diesen Vorgang mit der Maus ausführt.

Auch die Beeinflussung von Helligkeits- und Farbwerten oder des Weißabgleichs gestaltet sich mithilfe der Drehknöpfe intuitiver. Während man an den Reglern dreht, ist der Blick ausschließlich auf das Foto gerichtet und schweift nicht ständig ab zur Mausposition. Allerdings kommt man bei komplexeren Operationen nicht ohne Maus und Tastatur aus. In dieser Hinsicht ist die Aussage auf der Indiegogo-Seite übertrieben optimistisch: „The hands-on and highly intuitive console replaces the mouse and keyboard“. Die Retusche eines Bildfehlers oder das Aufziehen eines Verlaufsfilters lassen sich nur mit der Maus bewerkstelligen. Und wer häufig mit der Gradationskurve arbeitet, muss dies auch weiterhin mit der Maus oder einem Wacom-Tablet tun.

Das Zusammenspiel zwischen Konsole und Tastatur ließe sich auch noch verbessern. Wenn ich die Schwarz- und Weiß-Werte in einem Foto manipuliere, halte ich gerne die Alt-Taste gedrückt, um zu kontrollieren, welche Bildbereiche von der Veränderung betroffen sind. Leider funktioniert die Alt-Taste auf der Tastatur nicht in Kombination mit den „Blacks“- und „Whites“-Drehreglern des Loupedeck-Controllers.

Konfigurierbarkeit

Ähnlich wie bei einer modernen Kamera gibt es mehrere Loupedeck-Bedienelemente, die mit häufig benutzten Funktionen belegt werden können. Dazu zählen der Drehknopf „C1“, die beiden Druckknöpfe „C2“ und „C3“, die „Export“-Taste sowie die acht Tasten „P1“ bis „P8“ am oberen Rand der Konsole. Dank der Kombination mit der „Fn“-Taste lässt sich die Anzahl der frei konfigurierbaren Funktionen sogar verdoppeln. Ab Werk sind alle konfigurierbaren Bedienelemente mit Funktionen und Presets vorbelegt.

Die Loupedeck-Software ist selbsterklärend und ermöglicht eine schnelle Individualisierung der Konsole. Da ich häufig Fotos für Instagram exportiere, habe ich mein entsprechendes Preset auf die „Export“-Taste gelegt. Wer sich bei der Anpassung vergaloppiert, kann das Loupedeck mit zwei Mausklicks auf die Werkseinstellungen zurücksetzen.

Fazit

Die Loupedeck-Steuereinheit hinterlässt einen gemischten Eindruck: Ohne Zweifel erhöht sie den Spaßfaktor bei der Bearbeitung von Fotos, aber beschleunigt sie auch den Workflow? Da ich sehr viele Lightroom-Tastaturbefehle verinnerlicht habe, brächte die Arbeit mit dem Gerät für mich zunächst eine längere Phase der Umgewöhnung und somit der Arbeitsverlangsamung mit sich. Da man aber selbst bei einem routinierten Umgang mit der Konsole nach wie vor auf Tastatur und Maus bzw. auf Tablet und Stifteingabe angewiesen bleibt, muss sich jeder Anwender die Frage stellen, ob die Einsatzmöglichkeiten des Loupedeck-Controllers ein weiteres tastaturgroßes Gerät auf dem Schreibtisch rechtfertigen.

Tasten für Allerweltsfunktionen wie „Undo“, „Redo“, „Copy“, „Paste“ oder auch Pfeiltasten sind Platzverschwendung, wiederholen sie doch nur Funktionen, die im Muskelgedächtnis der Finger gespeichert oder ohnehin auf jeder Tastatur vorhanden sind. Vielleicht hätte man das Gerät kleiner gestalten und dafür mit hochwertigeren Komponenten ausstatten sollen. Aber dann ist man schnell bei der modularen Lösung von Palette, die den Charme hat, dass der Nutzer die Regler und Taster selbst zusammenstellen kann, die er benötigt. Freilich ist diese Alternative auch die deutlich teurere.

Ich danke der Berliner PR-Agentur Tonka, die mir ein Loupedeck-Testgerät leihweise zur Verfügung gestellt hat.

Unsere Wertung:

2018-01-26T09:05:30+00:0021. Januar 2018|

Über den Autor:

Stefan Schmalhaus studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Münster. Er schreibt und fotografiert regelmäßig für die Zeitschrift "Messer Magazin" und ist Autor des Buchs "Gentleman-Taschenmesser", das auch ins Englische übersetzt wurde. Darüber hinaus betreibt er seit vielen Jahren einen YouTube-Kanal rund um edle Schneidwerkzeuge.

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