Die acht häufigsten Fehler beim Fotografieren von Messern – und wie man sie vermeidet

Die Messerszene auf Facebook, Instagram & Co. präsentiert gerne, was sie hat. Bedauerlicherweise geht diese Zeigefreudigkeit oft einher mit einer fotografischen Lieblosigkeit, die selbst vor den luxuriösesten Stücken keinen Halt macht. Von der fotografischen Professionalisierung, wie man sie beispielsweise in der Food-Blogger-Szene beobachten kann, ist die „knife community“ weit entfernt.

Die folgenden acht Fotosünden sind mir bei meinen sporadischen Streifzügen durch die sozialen Netzwerke am häufigsten aufgefallen. Um niemandem zu nahe zu treten, habe ich keine negativen Bilder aus dem Netz verlinkt, sondern alle Fotos selber gemacht. Die negativen Beispielfotos sind rot umrandet, die positiven grün.

1. Missglückte Bildkomposition

Vielen Messerfreunden fällt es offensichtlich schwer, für ein so schmales Objekt, wie es nun einmal ein Messer ist, eine formatfüllende Bildkomposition zu finden. Tatsächlich stößt man im Netz immer wieder auf hochformatige Fotos, auf denen das Messer horizontal in der Mitte liegt, sodass schätzungsweise neunzig Prozent der Bildfläche ungenutzt bleiben.

Legen Sie Ihr Messer niemals einfach nur horizontal oder vertikal ins Bild. Ein solches Arrangement wirkt statisch und langweilig. Platzieren Sie das Messer stattdessen auf einer Diagonalen.

Vermeiden Sie auch extreme Winkel zwischen Kamera und Messer. Beispielsweise ist der sogenannte Overhead-Shot, bei dem die Sichtachse der Kamera im 90-Grad-Winkel zur Auflagefläche steht, für Messer kaum geeignet. Die räumliche Tiefe geht verloren, das Messer erscheint zweidimensional und flach. Als Faustregel empfehle ich Ihnen, einen Winkel zwischen 30 und 60 Grad zu wählen.

Wenn Sie mithilfe von Requisiten eine weitere diagonale Achse im Bild schaffen, können Sie darüber hinaus die räumliche Wirkung verstärken.

2. Schiefer Horizont

Manches Messerfoto sieht aus, als wäre es bei schwerem Seegang aufgenommen worden. Kameraperspektiven mit schrägem Horizont – im Fachjargon „Dutch Angle“ genannt – können einem Foto oder einer Filmsequenz eine expressiv-dynamische Wirkung verleihen, in der Objektfotografie haben sie in der Regel jedoch nichts zu suchen. Für den Betrachter ist es sehr irritierend, wenn der Eindruck entsteht, als könnten die Gegenstände im nächsten Moment aus dem Bild rutschen.

Achten Sie daher auf die korrekte Ausrichtung Ihrer Kamera während der Aufnahme. Manche Kameras blenden als Hilfestellung auf dem Display oder im Sucher eine elektronische Horizontlinie ein. Oder nutzen Sie am besten gleich ein Stativ. Sollte ein Foto doch einmal in Schieflage geraten sein, korrigieren Sie Ihren Fehler, indem Sie das Bild in der Nachbearbeitung entsprechend rotieren.

3. Suchbild

Leider müssen sich Messer oft die Aufmerksamkeit mit anderen Dingen teilen oder gehen im Gewimmel der Gegenstände völlig unter. Da gibt es zum Beispiel die Fotos vom Typ Suchbild: Im Vordergrund eines weitwinklig fotografierten Bildes breitet sich eine bunte Blumenwiese aus, in der Bildmitte steht ein Motorrad, dahinter prangt eine atemberaubende Bergkulisse, und die Bildunterschrift lautet: „Ein Victorinox auf Reisen“. Erst beim dritten oder vierten Hinsehen entdeckt man auf dem Motorradsitz eine kleine Gruppe roter Pixel, die wahrscheinlich von dem erwähnten Schweizer Taschenmesser stammen.

Wenn Sie das Messer unbedingt in den Kontext einer Reise, eines Urlaubslandes oder irgendeines Ereignisses stellen wollen, dann wählen Sie als Requisiten symbolische Gegenstände, deren Größe in einem vernünftigen Verhältnis zu der des Messers steht.

4. Wimmelbild

Nicht selten sind auch Fotos, auf denen das Messer inmitten einer grotesken Ansammlung anderer Objekte platziert wurde. Chaotische Schreibtische und von den Resten einer Party überbordende Küchentische scheinen sich dabei besonderer Beliebtheit zu erfreuen. Das Auge des Betrachters wandert von einem Gegenstand zum anderen und findet keinen Ruhepol. (Zwar gibt es auch künstlerische Wimmelbilder, aber auf denen ist nichts dem Zufall überlassen, das scheinbare Durcheinander folgt vielmehr einer minutiösen Planung.)

Stellen Sie sich vor, Ihr Foto wäre das Filmplakat eines Hollywoodstreifens, in dem Ihr Messer die Hauptrolle spielt. Das Messer muss als Held hervorstechen! Im Englischen nennt man übrigens die ästhetisch wirkungsvolle fotografische Inszenierung eines Produkts sehr passend „hero shot“ oder „beauty shot“.

5. Belichtungsfehler

Belichtungsfehler entstehen immer dann, wenn das zu fotografierende Motiv extreme Helligkeitsunterschiede aufweist. Die Kamera kann nicht gleichzeitig die hellen und die dunklen Bildbereiche optimal belichten, sodass das Foto zwangsläufig an einigen Stellen unter- und an anderen überbelichtet wird.

In der folgenden Fotoreihe wurde das Messer im prallen Sonnenschein fotografiert. Auf dem ersten Bild sieht man, dass das helle Knochenstück im Griff und der angeschliffene Teil der Klinge völlig überbelichtet sind. Das Foto ist an diesen Stellen – wie es im Jargon der Fotografen heißt – „weiß ausgefressen“, die Strukturen der Knochenmaserung und der Schleifriefen sind nicht mehr erkennbar.

Auf dem zweiten Foto wurde das einfallende Sonnenlicht mithilfe eines Diffusors gestreut und abgeschwächt, was die Lichtsituation bereits deutlich verbesserte. Allerdings sind auf dem Klingenspiegel noch störende Umgebungsreflexionen zu sehen.

Beim dritten Bild kam zusätzlich zum Diffusor noch ein weißer Reflektor zum Einsatz, der die Spiegelungen auf der Klinge beseitigte.

Im nächsten Beispiel wurde das Messer im Gegenlicht fotografiert. Auf dem ersten Foto fällt das Sonnenlicht von hinten auf das Messer, die Vorderseite liegt zwangsläufig im Schatten, sodass Griff und Klinge unterbelichtet sind.

Beim zweiten Bild hat sich an der Position der Lichtquelle nichts geändert, es wurde lediglich mit einem Reflektor Licht auf die Vorderseite des Messers zurückgeworfen. Griff und Klinge sind jetzt gut ausgeleuchtet, und auch der klar umrissene Schlagschatten der Klinge, der deutlich auf dem ersten Foto zu sehen ist, ist verschwunden.

Mein erster Tipp: Wenn Sie eine Wandertour planen, treffen Sie vorab die Entscheidung, ob Sie einfach nur die Landschaft genießen wollen oder ob Sie in Ihren Ausflug ein kleines Messer-Fotoshooting integrieren wollen. Im letzteren Falle packen Sie zusätzlich zur Kamera auch Faltreflektor und Faltdiffusor mit in den Rucksack und sorgen Sie dafür, dass Sie jemanden an Ihrer Seite haben, der Ihnen beim Fotografieren assistieren kann.

Mein zweiter Tipp: Meiden Sie extreme Lichtsituationen! Unter einem leicht bedeckten Himmel am Vor- oder Nachmittag steht Ihnen sehr viel weicheres Licht zur Verfügung, als wenn Sie um die Mittagszeit im strahlenden Sonnenschein fotografieren.

Wenn Sie Messer in Innenräumen fotografieren, achten Sie auf eine gleichmäßige Ausleuchtung mit diffusem Licht. Leider sehen viele in den sozialen Medien verbreiteten Messerfotos so aus:

Böker Scout

Ob Smartphone-Blitz, grelle Schreibtischlampe oder funzelige Deckenbeleuchtung – all diese künstlichen Lichtquellen sind für die Messerfotografie nicht geeignet. Jede punktartige Lichtquelle wird irgendwo auf dem Messer einen nicht kontrollierbaren Lichtreflex erzeugen. Um glänzende Klingen oder Griffmonturen vernünftig fotografieren zu können, benötigen Sie stark gestreutes, weiches Licht, das das Messer sozusagen umfließt und es nicht nur an einer Stelle trifft.

Wenn Sie kein Geld für eine Blitzanlage oder Dauerlicht und Softboxen ausgeben wollen, dann verwenden Sie auch beim Indoor-Shooting natürliches Licht: Platzieren Sie das Messer auf einem Tisch vor einem großen Fenster, durch das diffuses Tageslicht fällt, und hellen Sie die gegenüberliegende Schattenseite mit einem weißen Stück Karton oder Styropor auf.

6. Störende Spiegelungen

Eine der schwierigsten Herausforderungen beim Fotografieren stark reflektierender Objekte ist es, Umgebungsspiegelungen zu vermeiden. Insbesondere in den polierten Neusilberbacken klassischer Taschenmesser spiegeln sich oft der Fotograf und die komplette Zimmereinrichtung.

Eine weiße Zimmerdecke und ein Reflektor können in vielen Fällen helfen, die störenden Spiegelungen in den Griff zu bekommen. Zusätzlich muss man aber oft geduldig verschiedene Positionen von Kamera und Messer ausprobieren, um zum Ziel zu gelangen.

Im folgenden Beispiel ist das erste Foto dank Einsatz eines Reflektors zwar frei von Spiegelungen auf der Klinge, aber leider spiegeln sich an den Unterseiten der Backen mein Unterarm und meine Hand, die genau diesen Reflektor festhält. Nachdem Kamera und Messer ein wenig umarrangiert wurden, gelang es schließlich, eine Aufnahme ohne unliebsame Umgebungsspiegelungen zu machen.

7. Fingerabdrücke und Staub

Klingen und glänzende Griffe sind Fingerabdruckmagnete. Ein Fingertapser wird während eines Fotoshootings schnell übersehen, die böse Überraschung kommt dann am großen Monitor. Es ist mir selber schon passiert, dass ich eine komplette Fotoreihe wegen eines Fingerabdrucks auf einem schwarzen Horngriff noch einmal aufnehmen musste. Seitdem trage ich beim Arrangieren der Messer Baumwollhandschuhe.

Staubpartikel können ebenfalls zu einem Ärgernis werden, wenn man sie nachträglich auf einem Foto entdeckt. Glücklicherweise lassen sie sich in den meisten Fällen in Photoshop oder Lightroom schnell entfernen.

8. Filterexzesse

Die Generation Snapseed lebt ihre Liebe zur Fotografie in grellen Farbsättigungsorgien und enthemmten Kontrastexzessen aus. Die Filter der populären Bildbearbeitungs-App werden schlicht mit Kreativität verwechselt. Nur gibt es die leider nicht auf Knopfdruck. Und so sehen sich die zu Tode gefilterten Bilder am Ende alle ähnlich, weil jeder die gleichen Einstellungen benutzt.

Auf vielen Messerfotos kaschieren die extremen Verfremdungen nur notdürftig die fotografischen Schwächen des Ausgangsmaterials. Bevor Sie also Snapseed oder ähnliche Apps auf Ihr Foto loslassen, kontrollieren Sie, ob Bildkomposition und Belichtung stimmen. Ein gut fotografiertes Motiv wirkt auch ohne Filtereffekte, die bestenfalls einen speziellen Look verstärken helfen, die aber nicht zum Selbstzweck werden dürfen.

2017-09-12T18:15:39+00:00 23. August 2017|

Über den Autor:

Stefan Schmalhaus studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Münster. Er schreibt und fotografiert regelmäßig für die Zeitschrift „Messer Magazin“ und ist Autor des Buchs „Gentleman-Taschenmesser“. Darüber hinaus betreibt er seit vielen Jahren einen YouTube-Kanal rund um edle Schneidwerkzeuge.

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