Android-App für die Berechnung der Schärfentiefe: Hyperfocal Pro

Gestandene Fotografen wissen aus Erfahrung, mit welchen Kameraeinstellungen sie die optimale Schärfeausdehnung für verschiedene Motive erzielen. Anfänger, die zum ersten Mal mit dem manuellen Modus ihrer Kamera experimentieren, tun sich oft schwer, den Einfluss von Brennweite, Blende und der Entfernung zum Fokuspunkt auf die Schärfentiefe einzuschätzen.

Die kostenlose Android-App Hyperfocal Pro hilft über diese Hürde hinweg, indem sie den Schärfebereich exakt berechnet und das Ergebnis anschaulich darstellt. Ähnliche Apps gibt es auch für die iOS-Plattform. Die App Hyperfocal Pro ist zwar nur in Englisch verfügbar, der positive Nebeneffekt ist jedoch, dass man auf diese Weise auch gleich die englischen Fachbegriffe lernt. Alle Entfernungsangaben könne wahlweise in Metern oder Fuß eingegeben und angezeigt werden.

Die Einstellparameter

Um den Schärfebereich zu berechnen, benötigt die App vier Vorgaben: das Kameramodell, die Brennweite, die Blendenzahl und die Distanz zum fokussierten Objekt. Das Kameramodell liefert letztlich nur die Sensorgröße und damit die Berechnungsgrundlage für den sogenannten Zerstreuungskreisdurchmesser, über den Sie sich allerdings keine weiteren Gedanken zu machen brauchen. Die App enthält eine Liste aller gängigen Kameramodelle, die fortlaufend aktualisiert wird. Sollte sich eine Kamera nicht auf der Liste befinden, kann die Sensorgröße auch manuell eingetippt werden. Bei der Eingabe der Brennweite halten Sie sich an den Wert, der auf dem Objektiv angegeben ist, die Multiplikation mit einem Crop-Faktor würde zu falschen Ergebnissen führen.

Die nachfolgenden Screenshots zeigen den Startbildschirm, die vier Eingabeoptionen sowie eine von der App generierte Tabelle, die die sogenannte hyperfokale Entfernung zu einer gegebenen Kombination von Blendenzahl und Brennweite für das jeweilige Kameramodell ausweist. Die Bedeutung des Begriffs Hyperfokaldistanz müssen Sie nur dann kennen, wenn Sie eine möglichst große Schärfentiefe erzielen wollen, die auch noch weit entfernte Objekte einschließt (z. B. bei Landschaftsaufnahmen). In der Produktfotografie spielt die hyperfokale Distanz so gut wie keine Rolle, da hier meistens mit relativ kleinen Schärfebereichen gearbeitet wird.

Die Ergebnisanzeige

Die untere Hälfte des Displays zeigt das Ergebnis der Berechnung. Für unser Beispiel verwenden wir einen APS-C-Sensor, das Objektiv hat eine Brennweite von 50 Millimetern, die Blende ist auf f/4 eingestellt, und die Entfernung zum fokussierten Objekt beträgt drei Meter. Wenn Sie den Abstand von der Kamera zum Fokuspunkt ausmessen, denken Sie daran, dass die Entfernung von der Sensorebene aus gemessen wird. Die meisten Kameras sind auf dem Gehäuse mit einem aus Kreis und Strich bestehenden Symbol gekennzeichnet, das die Position der Sensorebene angibt.

Den Wert der hyperfokalen Distanz können wir aus den bereits genannten Gründen getrost ignorieren. Die Ausdehnung des Bereichs, der noch scharf abgebildet wird, erstreckt sich in unserem Beispiel über 0,514 m und wird durch die schraffierte Fläche angezeigt. Der scharfe Bereich beginnt – gemessen von der Sensorebene – bei 2,765 m und endet bei 3,279 m. Die Angaben links und rechts neben der Abkürzung DOF (engl. depth of field) zeigen die prozentuale Verteilung der Schärfe auf die Bereiche vor und hinter dem Fokuspunkt.

Spielen Sie ruhig ein wenig mit den Werten herum. Wenn Sie beispielsweise die Brennweite verdoppeln und alle übrigen Werte unverändert lassen, schrumpft die Schärfentiefe auf 0,126 m. Belassen Sie die Brennweite bei 50 mm und blenden Sie um zwei Stufen auf f/8 ab, wächst der scharfe Bereich auf 1,052 m. Je häufiger Sie fotografieren, desto schneller entwickeln Sie ein Gefühl für die wechselseitigen Abhängigkeiten dieser Parameter. Vielleicht werden Sie diese App irgendwann gar nicht mehr benötigen und nur noch eine Testaufnahme machen, um die Feinjustierung der gewünschten Schärfentiefe vorzunehmen.

Weitere Features der App

Alternativ zur Schärfentiefe (DOF) kann die Anzeige auch auf die Berechnung des Sichtfelds (FOV, engl. field of view) oder des Bildwinkels (AOV, engl. angle of view) umgeschaltet werden.

Wer mit häufig wiederkehrenden Kamera-, Brennweiten- und Blendenkombinationen arbeitet, kann die eingestellten Werte als Profil speichern. Am besten wählen Sie für jedes Profil einen sprechenden Namen, sodass die gewünschten Einstellungen schnell abrufbar sind. Diese Profile können außerdem über eine Share-Funktion weitergegeben werden.

Schließlich verfügt Hyperfocal Pro über ein englischsprachiges „Technical manual“, das nicht nur die Bedienung der App erklärt, sondern auch die Begriffe Schärfentiefe, Hyperfokaldistanz, Sichtfeld und Bildwinkel erläutert.

2017-10-19T11:29:50+00:00 9. Oktober 2017|

Über den Autor:

Stefan Schmalhaus studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Münster. Er schreibt und fotografiert regelmäßig für die Zeitschrift "Messer Magazin" und ist Autor des Buchs "Gentleman-Taschenmesser". Darüber hinaus betreibt er seit vielen Jahren einen YouTube-Kanal rund um edle Schneidwerkzeuge.

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