Andreas Herrmann: Sony a6500

Als Sony Ende 2016 die a6500 herausbrachte, war das Modell a6300 gerade erst ein Dreivierteljahr auf dem Markt, was viele Käufer der älteren Kamera verärgerte. Doch Sony positionierte die a6500 nicht als Nachfolgemodell der a6300, sondern als Ergänzung und vorläufiges Spitzenmodell (Stand: August 2017) der beliebten 6000er-Reihe.

Wer das volle fotografische Leistungspotenzial des kleinen APS-C-Kraftpakets ausschöpfen will, muss sich intensiv mit den vielen Einstellmöglichkeiten der Kamera beschäftigen. Die berüchtigte Unübersichtlichkeit der Sony-Menüs macht es dem Benutzer nämlich nicht gerade leicht, sich im Dschungel der Parameter zurechtzufinden. Über diese Hürde hilft Andreas Herrmanns Buch hinweg.

Der Untertitel lautet „Das Handbuch für faszinierende Fotos und Videos“, und in der Tat ist das Buch eine luxuriös ausgestattete Bedienungsanleitung, die den a6500-Besitzer an die Hand nimmt und ihn Schritt für Schritt in das Bedienkonzept der Kamera einführt. Wie andere Kamera-Handbücher aus dem Franzis-Verlag ist auch dieser Band reich bebildert. Die zahlreichen Screenshots des a6500-Displays versetzen den Leser in die Lage, alle Einstellungen an seiner Kamera mühelos nachzuvollziehen. Darüber hinaus illustrieren Beispielfotos die gestalterischen Möglichkeiten, die in der Kamera stecken. Allerdings sind die Motive nicht immer glücklich gewählt. So werden etwa die Kreativmodi der Kamera am Beispiel eines Hausgiebels demonstriert, der die unterschiedlichen Einstellungen kaum sichtbar werden lässt (S. 152f.).

Zur Gliederung: Das erste Kapitel („Kompakter Riese: Sony Alpha 6500“) erläutert die physischen Bedienelemente der Kamera und die wichtigsten Basiseinstellungen im Menüsystem. Kapitel 2 („Die perfekte Belichtung“) widmet sich den Motivprogrammen und den Belichtungsoptionen. Das dritte Kapitel („Den Fokus im Blick“) macht den Leser mit den vielfältigen Autofokus-Einstellungen der a6500 vertraut.

Vom vierten bis zum siebten Kapitel geht der rote Faden leider verloren: Die Überschriften werden unspezifischer, und die inhaltliche Zuordnung der Kamerafunktionen zu den Kapiteln wirkt willkürlich. Das vierte Kapitel („Die Möglichkeiten ausreizen“) umfasst so disparate Themen wie Selbstauslöser, Sensorreinigung und die Anschlussmöglichkeiten eines Computers. Kapitel 5 („Die Kameraeinstellungen in den Griff bekommen“) versammelt Inhalte wie Panoramabilder, Fehlfokussierungen, Kreativmodi und Fotoprofile. Sowohl im sechsten Kapitel („Die geeigneten Benutzereinstellungen“) als auch im siebten Kapitel („Grundeinstellungen perfekt anpassen“) geht es noch einmal um einzelne Basiseinstellungen.

Das achte Kapitel („Nach der Aufnahme geht es weiter“) beschäftigt sich mit der Auswahl und Wiedergabe von Bildern auf dem Display. Kapitel 9 („Die Außenwelt kontaktieren“) erläutert den Umgang mit dem Wi-Fi-Modul und erklärt die Kamerasteuerung via Smartphone-App. Das nächste Kapitel ist dem Thema Video gewidmet. Angesichts der Tatsache, dass die a6500 4k-Videos in bestechender Qualität liefert, ist es unverständlich, wieso dieses wichtige Thema auf gerade einmal 12 Seiten abgehandelt wird, zumal der Untertitel des Buchs ausdrücklich auf die Videotauglichkeit der Kamera hinweist. Allein die sogenannten Fotoprofile, die trotz ihrer missverständlichen Bezeichnung nur für Videofilmer interessant sind, hätten so viele Seiten verdient gehabt. Stattdessen werden im darauf folgenden elften Kapitel („Fotos archivieren und verwalten“)  18 Seiten der kostenlosen Sony-Software PlayMemories Home gewidmet, die im Zeitalter von Lightroom wohl kaum jemand einsetzen wird, um seine Fotos zu verwalten. Das abschließende zwölfte Kapitel („Erweiterte Bildbearbeitungsmöglichkeiten“) befasst sich mit der Bearbeitung von Fotos im RAW-Format unter Benutzung der Sony-Software Image Data Converter.

Herrmanns Buch hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Dem Anfänger ermöglicht es einen problemlosen Einstieg in die Benutzung der Kamera und übertrifft Sonys eigene Bedienungsanleitung bei Weitem. Es ist auch für all jene interessant, die aus der DSLR-Welt von Canon oder Nikon kommen und noch nie zuvor eine Sony-Kamera in der Hand hatten. Wer jedoch bereits mit einer a6000 oder a6300 auf Du und Du steht, wird dem Buch nur punktuell Neues abgewinnen können. Leider ist es dem Autor nur teilweise gelungen, Ordnung in die Funktionsvielfalt zu bringen. Dank des Index lassen sich einzelne Themen aber leicht auffinden. Das größte Manko ist jedoch, dass die Videofunktionen, die für viele Käufer der Kamera ein entscheidendes Leistungsmerkmal darstellen, nur sehr oberflächlich behandelt werden.

Andreas Herrmann: Sony a6500. Das Handbuch für faszinierende Fotos und Videos, 288 Seiten, Format 21,5 x 24,6 cm, Hardcover, EUR 34,90 (ISBN 978-3645605441)

Bezugsquelle
Hardcover: Amazon
Kindle: Amazon

Unsere Wertung:

2017-09-12T18:15:21+00:00 27. August 2017|

Über den Autor:

Stefan Schmalhaus studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Münster. Er schreibt und fotografiert regelmäßig für die Zeitschrift "Messer Magazin" und ist Autor des Buchs "Gentleman-Taschenmesser". Darüber hinaus betreibt er seit vielen Jahren einen YouTube-Kanal rund um edle Schneidwerkzeuge.

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